Google bietet mit Google Keep eine Art Online-Notizblog an. Es gibt ein Web-Frontend und eine App, bislang allerdings ausschließlich für Android. Daten und Notizen werden im Google Drive gespeichert, dem Online-Laufwerk für Google-User. Die Bedienoberfläche von Keep ist minimalistisch und angenehm übersichtlich: Man kann was aufschreiben, ein Foto hoch laden, den Notizen eine Farbe zuweisen, auch Sprachnotizen lassen sich hochladen, zumindest mit der Android-App. Diese Sprachnotizen sollen auf Wunsch sogar in Text umgewandelt werden können, klappt aber bislang zumindest bei längeren Textpassagen nicht wirklich gut.
Das Praktische an Google Keep ist, dass man einmal gespeicherte Notizen von überall abrufen kann. Wer sich erst einmal auf das Konzept einlässt, Notizen in der Cloud zu speichern, wird das schnell zu schätzen wissen. Eine Konkurrenz für längst eingeführte Notizdienste wie Evernote oder Onenote ist Google Keep aber trotzdem nicht, denn vor allem Evernote kann und bietet deutlich mehr, etwa Texterkennung in Bildern, gemeinsames Arbeiten an Projekten und vieles andere mehr. Braucht aber nicht jeder – von daher ist Google Keep eine schöne Ergänzung. Allerdings auch nichts Bahnbrechendes.
WDR-Talker Jürgen Domian hat diese Woche nicht schlecht gestaunt: Ein langer kommentierender Beitrag von ihm über den neuen Papst und die katholische Kirche ist kurzerhand aus Facebook verschwunden. Facebook-Mitarbeiter hatten den Beitrag von Domians Facebook-Seite gelöscht, ohne ihn zu informieren. “Zensur” sei das, meinte Domian und hat sich medienwirksam über den Eingriff beklagt. Offensichtlich sei Kritik am Papst auf Facebook nicht willkommen. Mittlerweile hat sich Facebook für die Löschung entschuldigt, das sein ein Versehen gewesen, den Beitrag aber nicht wieder online gestellt. Das musste Domian selbst machen.
Domian hat von der Sache profitiert, denn niemals hätten so viele Menschen sein Posting gelesen, wenn es nicht den Löschvorgang gegeben hätte. “Zensur” war es trotzdem nicht, denn Zensur ist laut Definition ein staatliches Verbot, sich über Dinge zu äußern oder etwas zu veröffentlichen. Eine Zensur gibt es bei uns in Deutschland praktisch nicht, oder besser: in nur ganz wenigen Bereichen. Der Löschvorgang bei Facebook war eine Moderation. Jede Woche werden hunderttausende von Postings, Fotos, Videos oder Einträgen von Facebook-Mitarbeitern untersucht und auf die Nutzungsbedingungen hin überprüft. Was nicht passt, wird offline gestellt. Eine Art Hausrecht.
Das mag einem gefallen oder nicht – aber eine Moderation ist erforderlich. Problematisch ist, dass die Nutzungsbedingungen eines amerikanischen Unternehmens als Maßstab genommen werden, die Bedingungen, die nicht oder kaum an europäische Ansprüche angepasst werden. Nackte Haut wird konsequent entfernt – Gewalt oder rechtsradikale Äußerungen eher selten. Ein Wertekodex, den man deutschen Usern kaum vermitteln kann und der auch nicht in Ordnung ist. Domians Löschvorfall sollte daher eine Diskussion in Gang bringen. Eine Diskussion, was in öffentlichen Plattformen an Meinung erlaubt sein sollte und was nicht.
Das Videospiel Donkey Kong ist ein Klassiker: Mario muss die Prinzessin retten. Niedlich – aber vielleicht nicht ganz zeitgemäß, vor allem, wenn Mädchen das Spiel spielen sollen. Eine 4-jähriger Tochter hat sich bei ihrem Papa beschwert, dass sie nicht die Prinzessin spielen darf. Der hat kurzerhand in einer Nachtschicht das Spiel umprogrammiert, alle Bilder ausgetauscht und auch die Texte angepasst – und am nächsten Tag konnte die Tochter Donkey Kong ganz anders spielen. Die Prinzessin rettet Mario – das Ergebnis kann man in diesem Video sehen. Geht doch.
Liebe Grüße,
Ihr Jörg Schieb
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